Archive for the ‘Kameras’ Category

Messuchervirus: Diagnose unheilbar
Die Revue 400 SE

Mittwoch, Oktober 20th, 2010

Ich habe ja nun schon so einiges an Kameras hinter mir.

Und es waren einige Messucherkameras dabei, die extrem Lchtstarke Yashica Lynx 14 E mit ihrem 45mm 1,4er Yashinon, eine Vivitar mit 40mm 1,7 in meinen Jugendjahren, die Leica CL als Einstieg ins M-System und in Folge digital eine M8.

So sagte ich gestern (mit 4 Kameras aus 3  Systemen im Haus) zu meiner Frau, das es ja nun reicht und nun erstmal keine Kamera mehr gekauft wird. Ein Vorsatz der genau bis heute Nachmittag um 17:33 Uhr hielt. Da schleppte meine Frau mich in den hiesigen Diakonieladen um dort einen Webrahmen zu erstehen. Und da in einer Vitrine war sie, hinten in der Ecke, flehte mich aus ihre Lederbereitschaftstasche an und rief:

“Erlöse mich, benutze mich, das mein Verschluss wieder rennt und meine Blende nicht verharzt!”

Ich versuchte mich zu wehren und der Versuchung zu widerstehen: “Ich brauche Dich nicht, ich habe schon mehr Kameras als ich tragen kann! Und noch eine analoge Kamera, das ist zuviel des Guten!” 

“Erinnere Dich an die Liebe deiner Jugendzeit, die kleine Vivitar, die  immer dabei war … Noch heute hast Du Bilder aus ihr - und ich bin nicht teuer. Ich bin billig und willig!” lockte mich die kleine Schwarze und mein Blick ging zur Verkäuferin, die mich ermutigte sie herauszunehmen aus ihrem gläsernen Gefängnis. Nun ja, was soll ich sagen:

Revue 400SE 1
Revue 400SE mit Revuenon 40mm 1:1,7

Da hatte sie gewonnen die schicke kleine Schwarze, vor allem als ein kurzer Check ergab, das der Belichtungsmesser noch zuckte und der Verschluss ging. Auch die Blendenautomatik funktionierte noch.

Die Blendenautomatik ist leider auch die Archillesverse der 400SE (und ihrer kleineren nicht so lichtstarken Schwestern). Wenn die Blende verharzt ist öffnet sie beim Durchdrücken des Auslösers gar nicht mehr oder nur teilweise und die Bilder werden nichts.  Deshalb ist die Funktion der Blende bei dieser Kamera immer zu prüfen. Die Blende kann man bei der 400SE  nicht manuell einstellen, sie wird immer automatisch gebildet zur vorne am Objektiv voreingestellten Zeit. Eine Belichtungskorrektur kann nur über die Umstellung der Filmempflichkeit (unten vorne am Objektiv) erfolgen.

Zum Blitzen hat die Kamera eine einfache aber geniale Blitzautomatik. Man stellt an einem zweiten Ring die Automatik ab und die Leitzahl des Blitzes für die jeweilige Empfindlichkeit ein. Die Kamera öffnet dann die Blende entsprechend der mit dem Messucher eingestellten Entfernung.

Revue 400 SE 2

Die Revue 400 SE von oben

Vom Gehäuse aus gut zu sehen:
- Der Ring für die Blenden- bzw. Blitzautomatik, an dem ggf. die Leitzahl des Blitzes eingestellt wird.
- Die Entfernungseinstellung.
- Und der Ring zur Zeitenwahl vorne am Objektiv. 

Der Messucher hat keine Parallaxenkorrektur, für den Nahbereich gibt es nur Markierungen, die etwa den Bildausschnitt zeigen. Die jeweils von der Automatik eingestellte Blende wird rechts im Sucher angezeigt.  Der Mischbildentfernungsmesser ist gut sichtbar, der Sucher und das Mischbildfeld aber wesentlich kleiner als der Sucher einer Leica CL oder gar einer Leica M.

Das Gehäuse ist sehr solide aus Messing gearbeitet und die Kamera liegt gut in der Hand. Das Filmeinlegen ist dank aufklappbarer Rückwand (Entriegelung wie bei vielen alten Kameras durch Herausziehen der Rückspulkurbel)  und Dreischlitzspule ein Kinderspiel.

Der erste Film ist drin und die Kleine darf nun bald zeigen, was sie kann.

Zum gutem Schluss noch ein paar Kleinigkeiten:

Die Kleine hat Messwertspeicherung. Wenn man den Auslöser nicht ganz durchdrückt wird die Blende eingestellt und diese Einstellung bis zum Auslösen oder wieder Loslassen gehalten.

Sie braucht 625er Quecksilberbatterien. Diese gibt es nicht mehr! Aber 625er Zink/Luft Hörgerätebatterien sind ein guter Ersatz (halten ca 4-6 Monate nach Anbruch) und im Drogeriemarkt für unter 4 Euro für 8 Stück zu haben.

Sie hat keinen Ausschalter! Der Belichtungsmesser wird durch das Abdecken der CDS-Messzelle mit dem Objektivdeckel abgeschaltet. Vergisst man das, so ist die Batterie recht fix leer. Vergisst man aber den Deckel abzunehmen, so werden die Bilder schwarz.

Messsuchervirus:
Die Therapie heisst Leica CL

Freitag, September 24th, 2010

Ich gebe es zu:

Eigentlich hatte ich Mitte letzten Jahres dem Analogen nach einem Techtelmechtel mit der wunderschönen Yashica Lynx und einer Kiev 4M endgültig abgeschworen. Die Olympus Pen war die tragbare Alternative zur grossen DSLR und das µFT-System hatte (und hat) mich überzeugt.

Doch irgendwo hat mich die Sehnsucht nach einer Messucherkamera nicht losgelassen. Das fotografieren mit einem Sucher ist eben doch etwas anderes als mit einem Display und Live View, wie bei der Pen. Und so kam es, das ich als lichtstarkes Portraitobjektiv für die Pen ein extrem günstiges, etwas angeschlagenes aber funktionierendes Leica Summicron-M rigid 50mm 2,0 aus dem Jahre 1962 ersteigerte. Der Leica M auf µFT Adapter aus China braucht aber gute 3 Wochen und schwups war die Entschuldigung für den Kamerakauf gefunden. Ganz fix wurde durch den Tipp eines Mitforenten im DSLR-Forum  eine günstige funktionierende Leica CL gefunden und mit dem Summicron vermählt. 

Leica Cl mit Summicron-M rigid 2,0 50mm
Ein schönes Paar: Die Leica CL mit rigid Summicron-M 2,0 50mm

Leica CL? Was ist denn das?

In der Regel kennt man von Leica die Messucherkameras des M-Systems und vielleicht noch das leider eingestellte R-Spiegelreflexsystem. Die Leica CL ist sozusagen eine kleine M. Sie hat den gleichen Objektivanschluss wie das M-System und man kann auch sehr viele M-Objektive an der Leica CL verwenden. Ausgenommen sind Objektive mit Sucherbrille, einige Exoten mit sehr grosser Hinterlinse und Objektive die weiter als 16mm ins Gehäuse ragen, weil sich dort bei der Leica CL der Schwenkarm mit der Belichtungsmesszelle befindet.

Sie lesen richtig:
Die Leica CL hat, wie ihre grosse gleichalte Schwester M5 einen eingebauten Belichtungsmesser. Bis zur 1971 eingeführten M5 gab es das nämlich bei Leica nicht, bei der japanischen Konkurenz allerdings schon. Da mit dem Spiegelreflex Boom der ausgehenden 60ger und der beginnenden 70ger Jahre die Absätze der M Kameras nicht nur schwächelten, sondern massiv einbrachen suchte man bei Leica nach einer Lösung für dieses Problem. Hinzu kamen die günstigen japanischen Messucherkameras mit festem Objektiv, die den Markt bevölkerten. Die von Leica gewählte Lösung war eine kleine, günstige (gemessen an einer M) und leichte Messsucherkamera die fast alles bot, was die grosse M kann. Das wurde die Leica CL  - die Bildzeitung würde heute sagen die Volksleica. Wie jede Leica bewegte sie sich zwar im Preissegment der Wohlbetuchten, war aber doch erheblich günstiger als eine Leica M. Aus Kostengründen wurde sie bei Minolta gefertigt (und von Minolta parallel als Minolta CL vertrieben). Verkauft wurde die Leica CL von 1973 bis 1976 in ca. 65.000 Stück und sie war für Leica kein Erfolg, wohl auch weil sie der M5 die Kunden wegnahm (diese brachte es nur auf 27.000 Stück von 1971-1975).

Leica CL
Leica CL aus dem Jahr 1974 - eine zeitlose Schönheit

Was bietet nun die Leica CL, …

… sie ist bis heute die kleinste und leichteste Leica mit Wechselobjektiven.
… sie bietet TTL Belichtungsmessung als Spotmessung (etwa Grösse des Mischbildfeldes im Messucher) mittels einer schwenkbaren CDS-Zelle direkt vor der Filmebene.
… sie hat einen grossen hellen Sucher mit Rahmen für 40, 50 und 90mm Brennweite. 35mm Brennweite entsprechen etwas dem komplettem Sucher und sind so auch ohne Aufstecksucher nutzbar.
… sie hat einen hellen sehr gut sichtbaren Mischbild Entfernungsmesser mit sauber definierten Kanten.
… sie hat einen vertikalen Tuchschlitzverschluss mit Verschlusszeiten mit von 1/2 bis 1/1000stel Sekunde, die im Sucher eingespiegelt werden und stufenlos verstellbar sind. Dieser Verschluss ist zwar nicht so leise wie der Verschluss eienr M-Leica, aber doch wesentlich leiser als der Mechanismus einer SLR.
… sie hat eine abnehmbare Rückwand zum halbwegs bequemen Filmeinlegen. Das Scharnier an der Seite haben die Leica Konstrukteure weiter der Konkurenz überlassen. Ich bin dafür insofern dankbar, das es deshalb bei der CL keine Probleme mit auseinanderfallenden teerigen Lichtdichtungen gibt, weil diese konstruktiv bedingt nicht vorhanden sind..

Doch nun zum Negativem:

Ein Schwachpunkt der CL ist eindeutig die Belichtungsmessung. Oft gibt die Verkabelung des Schwenkarmes auf dem die Messzelle sitzt im Laufe der Jahre nach. Auch die verbauten CDS Messzellen sind nach mehr als 30 Jahren oft schon weit jenseits ihrer Lebendauer.

Die verwendeten PX625 Quecksilberbatterien mit 1,35 Volt sind in Europa legal nicht mehr zu bekommen (Alkalizellen geben falsche Werte), eine Abhilfe können hier Weincell MRB 625 Hörgerätebatterien schaffen (selten und teuer) oder man beschafft sich für ca. 10 Euro in der Bucht einen Batterieadapter, dann passen die weit verbreiteten 675er Hörgerätebatterien (< 2,-€/Stück). Hier sollte man darauf achten, das man Zink-Luft-Batterien erwischt, da nur diese spannungskonstant sind. Nachteil der Zink-Luft-Batterien ist, das deren kurze in Monaten bemessene  Lebensdauer mit dem Entsiegeln beginnt. Es reicht übrigens, wenn man nur einen Teil der Belüftungöffnungen der Batterie entsiegelt (dann lebt diese länger), da die CDS Zelle wahrlich nicht viel Strom braucht. 

Ach so: Und bitte die Batterie rechtzeitig beim Filmwechsel mit wechseln, ein Batteriewechsel bei eingelegtem Film ist nämlich nicht möglich, weil dazu die Rückwand abgenommen werden muss.

Immerhin lässt sich eine CL mit defekter Belichtungsmessung noch problemlos verwenden, da der ganze Rest vollmechanisch ist. Natürlich mit den üblichen Problemen mechanischer Kameras wie hängende Verschlussvorhänge oder auch Löcher im Verschluss, wenn die CL mit Objektiv auf unendlich mal zulange in der Sonne lag. Die frühen Kunstoff Filmspulen verlieren gerne mal ihre Zähne (später CLs habe eine Messingspule). Manchmal löst sich auch die Verspiegelung des Prismas im Messucher .

Wo wir beim Messucher sind: Aufgrund der Kleinheit der CL ist die Messucherbasis kleiner, darunter leidet auch die Genauigkeit des Messuchers, so das lichtstarke Objektive (Blendenzahl < 2,0 besonders Teleobjektive) im Nahbereich (<1,5 m) nicht mehr präzise scharfgestellt werden können. Andere Optiken, wie das Summicron 2/90mm decken teilweise das Sucherbild ab.

Mein Exemplar ist glücklicherweise bislang von all diesen Wehwehchen verschont geblieben und hat nur ein paar minimale Macken im Lack.

Zum fotografieren mit der CL:

Auch wenn sie bei Minolta gefertigt wurde, so ist die CL doch eine echte Leica. Alles wirkt gut und solide verarbeitet, wenn auch nicht ganz so aus dem Vollem gefräst, wie bei einer Leica M.

Der Messsucher ist sehr hell und auch für mich als Brillenträger gut zu übersehen (dagegen war der Sucher meiner Yashica Lynx  ein Guckloch).  Beim prallen Sonnenlicht von vorne ist der Sucher etwas streulichtempfindlich, man kann aber trotzdem noch alle gut erkennen. Die Entfernungseinstellung am Objektiv ist wesentlich angenehmer als die Rädchen-Einstellerei bei der Contax Kopie Kiev 4m, welche ich einmal besass.

Die Kamera liegt ergonomisch sehr gut in der Hand, mit den Fingern der linken Hand kann man gut am Pin des Objektives die Entfernung einstellen, während man mit dem rechten Zeigefinger am Rad vorne auf der Kamera die Belichtungszeit verstellt.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Nachführbelichtungsmessung allerdings doch, weil sie falschherum geht (Leica Logik?). Wenn die Nadel über der mittleren Markierung steht, heisst das Unterbelichtung, nicht Überbelichtung wie es naheliegend wäre.

Der Belichtungsmesser tut übrigens nur wenn …
… ein Objektiv angesetzt ist.
… der Film transportiert und der Verschluss gespannt ist (und das Messärmchen wieder hochgeklappt ist).
… und der Schnellspannhebel leicht aus der Ruhestellung bewegt wird (er ist der Ein- und Ausschalter). 

Und bitte nicht vergessen: Man hat eine Spotmessung, gemessen wird bei 90mm etwa das Mischbildfeld, bei 40mm Brennweite etwa die doppelte Fläche des Mischbildfeldes. Hier entscheidet also der Fotograf, ob er richtig misst, nicht die Kamera per elektronischer Matrixmessung.

Anbei noch einige Links zur Leica CL:

- Leica CL bei Peter Lausch
- Leica CL die Volkskamera Essay (englisch)
- Bedienungsanleitung Leica CL (mit Freigabe von Leica)
- Tipps zum Checken einer CL (englisch)

PS: Auch Elmar ist wieder da, bzw. sein Bruder. Günstigst fand ich noch ein 90ger Elmar 4,0 M39 von 1952 mit leider ziemlich verputzter Frontlinse, welches nun mit Adapter seinen Dienst auch an der CL tut.

PPS: Bilder aus der Kamera folgen, wenn das Labor den ersten Film entwickelt und gescannt hat.

 Nachtrag: Die kleine CL hat mich mittlerweile wieder verlassen. Aber nur weil die Messucherkrankheit noch heftiger zugeschlagen hat und sie neben der M8 nur noch ein Nischendasein fristetete. Im Vergleich zur M8 war sie allerdings klein und handlich und durchaus ergonomisch sehr gut (bis auf das Filmwechseln).

Brass & Songs

Samstag, November 28th, 2009

Obiges Bläserseptett veranstaltete heute abend in der evangelsich methodistischen Kirche in Kirchheim/Teck ein kleines Konzert. Anbei einige Eindrücke dieser optisch und akustisch eindrucksvollen Veranstaltung.

Brass+Songs01Der gut gefüllte Gemeindesaal während des Konzerts.

Brass+Songs02Da wurde in die Tasten gegriffen …

Brass+Songs03… gesungen und …

Brass+Songs04 … und trompetet.

Brass+Songs06Die Tuba durfte natürlich auch nicht fehlen.

Brass+Songs05 Fazit: Eine gelungene Veranstaltung zum 1. Advent.

Alle Bilder entstanden mit der Olympus E-P1 Pen und dem Panasonic Pancake 20mm 1,7 bei Offenblende.

Die Olympus E-P1 Pen:
Not a compact. Not an SLR. It´s a PEN.

Montag, August 24th, 2009

Irgendwie wurde mir die 5D als “Immerdabeikamera” etwas zu schwer. Meine Frau beschwerte sich auch schon über den “Eumel” mit Handschlaufe an der rechten Hand.

Da kam die neue Olympus Pen gerade recht. Ein kleines Gehäuse mit verhältnismässig grossem Sensor und vernünftiger Bildqualität. Mit dem Kitzoom ist sie  gut in/an einer Hand zu tragen. Dank Wechselobjektiven kann man sie an seine fotografischen Bedürfnisse anpassen.

Pen-1Olympus Pen bei Photo Schneider in Kirchheim im Schaufenster

Nun habe ich diese kleine Kamera seit ca. 2 Wochen und möchte hier meinen Ersteindruck kundtun:

Positiv:

  • Sehr gute Bildqualität direkt aus der Kamera: Wenn man die Kamera umstellt auf JPG SF (Superfine) so liefert sie direkt aus der Kamera Bilder mit feinster Farbabstimmung und sehr guter Dynamik. Die Farbwieder gabe erinnert mich hierbei an die gute alte EOS D60. Die beste Dynamik hat sie übrigens bei ISO 200, Empfindlichkeiten darunter werden mit einer Einschränkung des Dynamikumfanges erkauft.
  • Der Sensor im Four Thirds Format bietet (beschränkte) Freistellungsmöglichkeiten: Man hat gemessen am Vollformat eine Schärfentiefe wie 2 Stufen weiter abgeblendet.
  • Umfangreiche automatische und manuelle Einstellmöglichkeiten: Diese Kamera hat (fast) alles, was das Fotografenherz begehrt. Man kann über die Individualeinstellungen und Bildstile die Kamera an die eigenen fotografischen Gewohnheiten anpassen.
  • Gute Bedienbarkeit: Die Menues sind auch für mich als “Canoniker” leicht erfassbar und übersichtlich gestaltet. Durch die zwei Wahlräder kann manEinstellungen ähnlich flexibel gestalten wie bei einer ein- oder zweistelligen EOS. Das heisst, man muss im fotografischen Alltag nur selten während des Fotografierens in die Menues hinein.

Biene auf BlüteBlüte im Garten der FBS

  • Insgesamt sehr gute und wertige Verarbeitung: Die Olympus E-P1 hat eine gute Haptik und ist solide verarbeitet. Nicht nur das Design erinnert bewuss an die PenF Halbformat-SLR,  auch die Haptik des Gehäuses mit seiner Metallverkleidung lässt das Gefühl aufkommen eine Kamera aus jenen Zeiten der Solidität in der Hand zu halten.
  • Eine gute Bildqualität des Kitzooms: Das mitgelieferte M.Zuiko 14-42mm 3,5-5,6 liefert eine gute Bildqualität und erreicht bis auf minimale Schwächen zwischen 35 und 42mm Schärfe bis hinunter auf Pixelbene schon bei Offenblende.
  • Videofunktionen: Die Pen bietet die Möglichkeit Videos in HD-Qualität (nur 720P) aufzunehmen. Hier empfiehlt es sich aber auch auf die Panasonic Optiken auszuweichen, da sich sonst die Geräusche des AFs störend im Video bemerkbar machen.
  • SD Speicherkarten: Olympus hat glücklicherweise der Pen einen normalen SD Kartenschacht spendiert und nicht das proprietäre XD Format.

Alte Fabrik in Bad Urach Stillgelegte Fabrik in Bad Urach

 Negativ:

  • Die Pen ist keine DSLR: Das heisst sie hat keinen Sucher. Sie ist aber auch keine Messsucherkamera. Man arbeitet, wie bei einer Kompaktkamera direkt und nur mit dem eingebauten Display. Dieses ist insgesamt sehr gut nutzbar, auch im Hellen (aber eben doch nicht bei direkter Sonneneinstrahlung). Die Auflösung empfinde ich als vollkommen ausreichend, würde mir aber zumindestens für die Standardbrennweiten  einen eingebauten kleinen “Notsucher” wünschen.
  • Der Autofokus: Die Pen arbeitet mit einem Kontrast-AF wie die meisten Kompaktkameras. Dieser ist gemessen an einer DSLR mit Phasen-AF langsam und pendelt systembedingt einmal um den Schärfepunkt herum. Der von Olympus angebotene C-AF (kontinuierlicher AF für bewegte Objekte) ist so gut wie gar nicht zu gebrauchen, der normale AF ist für die meisten Objekte mit dem Kitzoom schnell genug, aber nichts für Sport und Action. Etwas besser wird es, wenn man die Olympus Optik durch das Panasonic 14-45er Kitzoom ersetzt. Dieses fokussiert wesentlich schneller, braucht aber durch den OIS im Objektiv immer (auch bei abgeschaltetem Verwacklungsverhüterli) mehr Strom. Hier bleibt nur die Hoffnung auf ein Firmwareupdate von Olympus.
  • Die Akkulaufzeit: Sie entspricht eher einer Kompaktkamera als eine SLR. Da Display und Sensor für die Bildwiedergabe benutzt werden ist das auch folgerichtig. Ich habe die Displaybeleuchtung auf die FN-Taste programmiert und kann so die Kamera zumindestens stromsparend in Bereitschaft haben, ohne sie ganz ausschalten zu müssen.

Ast Erste Zeichen des Herbstes

  • Das Hauptwahlrad: Dieses Rad über dem Steuerkreuz ist sehr leichtgängig und man verstellt es leicht versehentlich.
  • Die Haptik des Kitzooms: Das Entriegeln und den ausfahrenden Rüssel des Kitzooms, fand ich gar widerlich. Diese billig anmutende Haptik passt so gar nicht zu Qualität des Gehäuses. Zusammen mit dem langsamen AF war das der Grund, weshalb ich das optisch gute Kitzoom gegen das Panasonic Pendant von der G1 getauscht habe. Dieses ist zwar grösser, aber haptisch wertvoller, im AF schneller und hat eine Streulichtblende.
  • Keine AF-Confirm Möglichkeit beim Einsatz manueller Optiken: Schade, denn mit einem Aufstecksucher wäre die Pen prädestiniert für die Adaption manueller Optiken, da mechanisch fast jedes Bajonett an Micro Four Thirds adaptierbar ist (inklusive Leica M). Leider fehlt diese Möglichkeit. Hier hat Olympus eine Chance vertan, dieser nicht gerade billigen Kamera einen Zusatznutzen zu verpassen.

Abgestellt und vergessen

Vergessener Magirus LKW in einem Kirchheimer Hinterhof

Fazit:

Aufgrund ihrer Wertigkeit, der sehr guten Bildqualität und ihre Kleinheit ist die Olympus E-P1 Pen mit dem Panasonic 14-45ger Objektiv zu meinem neuem Alltagsbegleiter geworden. Sie ist die “Immerdabeikamera” neben der grossen Spiegelreflex. Mit ihren Schwächen kann ich leben, bedauere aber das die Pen wegen des langsamen AFs nur beschränkt für die Streetfotografie geeignet ist.

Nachtrag (24.8.09): Die Pen ist leider nicht wirklich dauerbetriebsfest. Beim heutigen 3 stündigen Nonstopeinsatz auf einer Baustelle hatte ich 2 mal die Warnung, das der Sensor zu warm würde und die Kamera brauchte jeweils eine 5 minütige Auszeit. Zugegeben es hatte etwas über 30 Grad im Schatten und ich war in der Sonne unterwegs, aber schön ist das dennoch nicht.  Das kann aber auch an der erhöhten Stronaufnahmedurch den Stabilisator des Panasonic Kitzooms liegen.

Nachtrag 2 (18.09.2009): Die Batterieproblematik hängt auch mit an der Panasonic Kitoptik, die ich nutze. Der Panasonic OIS Bildstabilisator zieht auch, wenn er abgeschaltet ist Strom.

Wehr an der LauterWehr an der Lauter in Kirchheim

Es werde Licht II:
Yashica Lynx 14 E mit Yashinon 45mm 1:1,4

Sonntag, August 9th, 2009

In den 60ger und auch in den 70ger Jahren waren Messucherkameras mit fest montierter Optik weit verbreitet. Canon fertigte die “Canonet”, Olympus die “RC 35″, Konica die “Auto” und Minolta die “High-Matic” Baureihe. Die besseren Exemplare dieser Klasse, hatten dabei lichtstarke Objektive mit Lichtstärken zwischen 1,7 und 2,0. Die Firma Yashica steigerte das noch und brachte die Lynx IC mit 45mm 1:1,4 Objektiv auf den Markt.

Lynx 1

Die gezeigte Lynx 14E gehört zur zweiten ab 1969 gebauten Serie und hat einen Copal Zentralverschluss mit Zeiten  von 1/1 (+B) bis 1/500 Sekunde. Ihr zentrales Element ist das mächtige Yashinon 45mm 1:1,4  mit 58mm Filtergewinde. Für die präzise Entfernungseinstellung besitzt sie einen Mischbildentfernungsmesser mit Paralaxenausgleich im Nahbereich. Die Belichtungsmessung erfolgt mit Hilfe einer CDS-Zelle über ein Messauge vorne am Gehäuse, und wird im Sucher als Über- oder Unterbelichtung angezeigt. Zeit und Blende müssen jeweils manuell eingestellt werden, die vollmechanische Kamera funktioniert auch ohne Batterien, lediglich auf die Belichtungsmessung muss man dann verzichten.

Wieder erwarten funktioniert bei diesem Exemplar nicht nur die Mechanik einwandfrei, sondern auch die Belichtungsmessung,  zumindestens noch genau genug für Negativfilme.

Lynx 2

Die komplett manuelle Einstellung - Zeit einstellen –> Belichtungsmessknopf drücken –> Blende einstellen –> Entfernung einstellen - , erzieht zum langsamen Fotografieren. Hinzu kommt der solide haptische Eindruck, den diese komplett aus Metall und Glas gefertigte Yashica macht. Ein Minuspunkt ist, wie bei allen Kameras dieser Art, der recht dunkle Sucher. Damit der magische Fleck für das Mischbild gut erkennbar ist wurde der gesamte Sucher recht dunkel gehalten.

Lynx Kirchheimer Strassenleben Kirchheimer Strassenleben

Schärfen(un)tiefe:
Das EF 50mm 1,4 USM bei Offenblende

Samstag, Mai 23rd, 2009

Heute Abend war ich auf einem schönen Abendessentreffen der Fotocommunity. Dabei entstanden im spärlichen Lampenlicht diese zwei Bilder mit dem EF 50mm 1,4 USM an der EOS 5D bei Offenblende und ISO1250.

FC-Portrat-2
Lass mal mitschauen …

 FC-Portrait
Brown Eye(s) …

Besonders das zweite Bild zeigt deutlich auf welchen geringen Bereich die Schärfentiefe bei Blende 1,4 am Vollformat schrumpft.  An einer typischen APS-C Kamera mit 1,5er oder 1,6er Cropfaktor hätte man die Blende für die gleiche Bildwirkung noch eine Stufe weiter öffnen müssen. Hier wäre also dann ein 35mm 1,0 Objektiv fällig gewesen.

Stadtspaziergang
mit der EOS 5D und dem EF 50mm 1,4 USM

Donnerstag, Mai 14th, 2009

Portrait Annett
Canon EOS 5D mit EF 50mm 1,4 USM,
1/640 Sekunde, Blende 5,6

Zusammen mit dem 50ger ergibt die EOS 5D ohne Batteriegriff an der Handschlaufe eine schöne Kombi für die Strassenfotografie. Kamera und Objektiv sind angenehm leicht und zugleich so klein, das sie unaufdringlich wirken. Mit dem Bildwinkel der 50mm Optik, welcher etwa dem des menschlichen Auges entspricht, ist man mitten im Geschehen. Der Ultraschall Micromotor des 50mm 1,4 ermöglicht ein leises und schnelles Scharfstellen.

Man muss die Motive nur noch sehen, sie bieten sich an …

Giesskannenfrau
Canon EOS 5D mit EF 50mm 1,4 USM,
1/400 Sekunde, Blende 2,0

Es werde Licht:
Canon EOS 5D - ein persönlicher Ersteindruck

Montag, Mai 4th, 2009

Die Entscheidung war:
Ein neues zweistelliges Gehäuse, z.B. eine EOS 50D oder eine gebrauchte EOS 5D Mk1.

Nach Abwägen der Vor- und Nachteile habe ich mich für die Vollformatlösung entscheiden. Samstag ist sie nun gekommen, meine neue (alte) EOS 5d. Ein Blick durch den Sucher und es war wie ein Aufwachen aus einem langem Schlaf. Endlich wieder ein großer heller Sucher, wie ich es von meinen alten analogen Spiegelreflexkameras her kannte.

Also los mit der Kamera und erst mal ein paar Fotos gemacht. Ich bin mit dem 28-70mm 2,8L USM durch die schöne Kirchheimer Innenstadt gelaufen und habe den Blick schweifen lassen. Hier gab es ein schönes Arrangement in einem Schaufenster zu sehen …

EOS 5dCanon EOS 5D + EF 28-70mm 2,8L USM @ 70mm, 1/200 Sekunde, Blende 4,0

 … dort verlockte der Brunnen am Marktplatz dazu mit Schärfe und Unschärfe zu spielen.

EOS 5D-1Canon EOS 5D + EF 28-70mm 2,8L USM @ 70mm, 1/125 Sekunde, Blende 5,6

Ein erster Zwischenstand:
Hier passt alles. Der Autofokus sitzt sauber, das Handling der Kamera ist wie ich es erwartet habe. Die Bedienung der 5D ist praktisch identisch mit der einer zweistelligen EOS. Eine Freude ist der große helle Sucher, der endlich auch eine vernünftige manuelle Kontrolle der Fokussierung ermöglicht. Die Dateien aus der Kamera sind auch bei neutralen Einstellungen bis auf Pixelebene scharf. Das hintere Display ist im Verhältnis zur 20D angenehm groß. Es ermöglicht aber trotzdem nur eine begrenzte Kontrolle der Bildschärfe, da die Bilder in der höchsten Vergößerungsstufe auf dem Display leicht unscharf wirken, obwohl sie in Wirklichkeit 100% scharf sind. Das scheint mir an der Qualität des Vorschau-JPGs zu liegen.

Doch nun zu der für mich nicht ganz unwichtigen Frage:

Taugt die EOS 5D für die Luftfahrtfotografie?
Eigentlich nimmt man zu diesem Zweck ja eher eine EOS 1D Mk II(N) oder III, oder eine der neueren zweistelligen EOS. Die nur drei Bilder pro Sekunde der Eos 5D stören mich dabei weniger, bin ich doch kein Freund von Dauerfeuerorgien, die entstehenden Daten müssen schließlich verarbeitet werden. Da schon lieber im entscheidenden Moment abgedrückt. Für eine normal Landesequenz reichen mir auch die drei Bilder pro Sekunde völlig aus.

Die entscheidende Frage ist also:
Wie sieht es mit dem Autofokus aus?
Reicht der AF im AI-Servo Modus um anfliegende Flugzeuge sicher zu verfolgen?
Vorneweg: In der Praxis war ich hier mit dem AF der EOS 20D zufrieden. Wenn man mit dem mittleren AF-Feld im AI-Servo startet, dann hatte die 20ger eigentlich nie Probleme und kam mit meinen USM Optiken immer mit. Der produzierte Ausschuss lag in der Regel nicht an der Kamera, sondern am Anwender.

Um das zu klären war ich mit der Kamera am Samstag kurz in Stuttgart und am Sonntag auf dem Segelfluggelände Hahnweide.

EOS 5D-2Canon EOS 5D mit EF 300mm 4,0L USM, 1/8000 Sekunde, Blende 4,0

Am Samstag gab es in Stuttgart eigentlich nichts Besonderes zu sehen, aber ich wollte ja auch nur Testaufnahmen machen. Die Ergebnisse, waren von der technischen Seite her durchaus ansprechend. Es funktionierte alles problemlos, was ich eigentlich auch erwartet hatte, da das Autofokussystem der EOS 5D mit dem der der EOS 20D nahe verwandt ist.

Am Sonntag auf der Hahnweide hatte ich dann aus Gewichtsgründen nur die Kamera und das 70-200mm 4,0L USM mit dem Extender 1,4 dabei. Das war von der Brennweite her teilweise etwas kurz, da ja der gewohnte 1,6er Crop Faktor fehlte. Da der Extender die AF Geschwindigkeit etwas herunterregelt und man an der Hahnweide die Flieger recht frontal bekommen kann, war das durchaus aussagefähig, was die Leistung des AF-Systems anging.

EOS 5D-3Canon EOS 5D mit EF 70-200mm 4,0L USM + Extender 1,4 @ 280mm, 1/640 Sekunde, Blende 8

Ein 100% Crop aus diesem Bild eines Grunau Babys zeigt, das die Kamera der Aufgabe problemlos gewachsen war, das Bild ist bis auf Pixelebene scharf.

EOS 5D-3-Crop100% Crop: Canon EOS 5D mit EF 70-200mm 4,0L USM + Extender 1,4 @ 280mm, 1/640 Sekunde, Blende 8

Das spricht im übrigen auch für die Qualität des 70-200mm 4,0L  USM, welches den 1,4er Extender problemlos bedienen kann. Ob das so auch noch an einer 50D mit ihren sehr kleinen Pixeln funktioniert? Daran habe ich begründete Zweifel.

Das Ergebnis:
Für meinen Bedarf ist die Leistung der EOS 5D im AI-Servo vollkommen ausreichend. Der grosse Pixelpitch der EOS 5D sorgt dafür das meine Tele Objektive auch mit Extender noch eine sehr gute Leistung zeigen.

Der Wermutstropfen:
Jedes Ding hat seine Vor- und Nachteile. Das gilt auch für die EOS 5D, bzw. das Vollformat. Mein 300mm Tele hat nun “echte” 300mm und nicht mehr gefühlte 480mm, wie am 1,6er Crop der zweistelligen EOS. Dafür ist ein 15 mm Weitwinkel nun auch wirklich ein 15mm Bildwinkel und das im Zulauf befindliche 16mm Fisheye wird dann zeigen was 180 Grad diagonaler Bildwinkel sind.

EOS 5D-4Ausschnitt: Canon EOS 5D mit EF 70-200mm 4,0L USM + Extender 1,4 @ 280mm, 1/1000 Sekunde, Blende 9

Das Fazit:
Für mich war die Entscheidung fürs Vollformat die Richtige. Die EOS 5D eröffnet mir, nicht zuletzt dank ihrer Low- und High-ISO-Fähigkeiten weitere fotografische Möglichkeiten z.B. im Bereich der Hochzeitsfotografie und ist dennoch problemlos auch im Bereich der Luftfahrtfotografie einzusetzen. Eine helle Freude ist der große gut zu überblickende Sucher und das “normale” Freistellungspotential des Vollformates. Den Wermutstropfen das die Teleobjektive gefühlt kürzer werden nehme ich dafür gerne in Kauf. Echte 420mm (das EF300mm 4,0L USM + 1,4er Extender) reichen mir in der Praxis fast immer.